12.08.2011

komba nrw zur Reform des Kinderbildungsgesetz: Richtung stimmt – weitere Schritte müssen folgen

Bild:Gerd Altman, Pixelio.de

Mehr Personal, bessere Betreuung, qualifiziertere Ausbildung und die Unterstützung von Hauswirtschaftskräften gefordert.

Weitere effektive wie nachhaltige Reformschritte im KiBiz (Kinderbildungsgesetz) fordert die komba gewerkschaft nrw vom Land Nordrhein-Westfalen. Die seit August geltende erste Gesetzesänderung gehe zwar nach Auffassung der kommunalen Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion in die richtige Richtung, bringe in den Kitas und Krippen an Rhein und Ruhr jedoch noch keine durchgreifenden Verbesserungen. Weitere effektive sowie nachhaltige Schritte müssen folgen.

Marieluise Baumeister (Mönchengladbach), Leiterin einer Kindertagesstätte sowie eines Familienzentrums und Vorsitzende des Fachbereichs Erziehung der komba gewerkschaft nrw, und Susanne Köllner (Bochum), Personalrätin bei der Stadt Bochum und stellvertretende Landesvorsitzende der Kommunalgewerkschaft, sehen noch einige Defizite im Qualitätsanspruch der Gesetzesreform (siehe dazu auch Beitrag vom 2. August 2011), die bei der im Herbst folgenden zweiten Novellierung ausgeräumt werden müssten. Dabei weisen beide auf den drohenden Fachkräftemangel im sozialen Bereich hin. „Es geht vor allem darum, den Beruf für junge Menschen attraktiv zu machen. Jedoch setzt der aktuell hohe Krankenstand ein klares Zeichen, dass vor Gesetzgeber und Trägern hier noch eine Fülle von unerledigten Aufgaben liegt“, so Köllner und weiter:„Zu einer wirklichen Verbesserung führt nur mehr Personal, mehr Professionalität, ein besserer Betreuungsschlüssel, eine gezieltere und qualifiziertere Ausbildung sowie eine angemessene Dotierung“, so Köllner. Zum noch nicht eingelösten Qualitätsanspruch gehöre ebenfalls der Einsatz von Hauswirtschaftskräften für Arbeiten außerhalb der pädagogischen Aufgabenstellungen und eine gesicherte Fortbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ergänzt die stellvertretende Landesvorsitzende.
 
Comeback für Kinderpflegerinnen und -pfleger

Generell begrüßt die komba gewerkschaft nrw, dass es durch die erste Revision wieder mehr Einsatzmöglichkeiten für Kinderpflegerinnen und -pfleger gibt. Diese Berufsgruppe wurde von der schwarz-gelben Landesregierung aus dem Bereich der unter Dreijährigen hinausgedrängt, obwohl gerade dort deren entsprechenden Kompetenzen für die Betreuung der Kleinkinder vonnöten ist. Die Erhöhung der U3 Pauschale ist wie ein kleines Comeback für Kinderpflegerinnen und -pfleger, wenngleich noch zu unzureichend. Die Vorsitzende des Fachbereichs Erziehung, Marieluise Baumeister, ergänzt: „Noch immer fehlt dem Personal genügend Zeit für eine umfangreiche Betreuung der Kinder. Dabei ist die durch die Revision genannte Aufstockung von Ergänzungskraftstunden nicht nachhaltig genug. Sie führt nicht zu der nötigen, durchgreifenden Verbesserung für die inhaltliche Arbeit. Zwischen der Bedeutung der Kitas für die Bildungsrepublik sowie den öffentlich beschriebenen pädagogischen Ansprüchen und Wünschen einerseits und der Realität des Kita-Alltags andererseits klafft weiterhin eine dauerhaft nicht hinnehmbare große Lücke.“
 
Schwerpunktverschiebung zugunsten der Fachkräfte nötig

Köllner hält eine gesicherte Finanzierung der Betreuungseinrichtungen als Schlüssel für die von der Gesellschaft gewollte, erfolgreiche Erziehungsarbeit für unverzichtbar. Für das Personal fordert sie die Arbeitgeber auf, befristete Verträge zu entfristen und damit die Beschäftigten enger an die Einrichtung zu binden. Eine Schwerpunktverschiebung zugunsten der Fachkräfte sei zudem nötig, damit Qualität und Kontinuität der pädagogischen Arbeit gewährleistet werden könne. „Ein sinnvoller Schritt ist dabei, gezielt Berufspraktikanten in den Einrichtungen einzusetzen, um sie dadurch mit der beruflichen Praxis zu konfrontieren. Damit werden Aufgabenbereiche, Chancen sowie Freude in der Arbeit mit Kindern erfahrbar, gleichzeitig aber auch die Herausforderungen und Probleme wahrnehmbar“, so die stellvertretende Landesvorsitzende.


Die komba gewerkschaft nrw empfiehlt Gesetzgeber und Regierung, den gewerkschaftlichen Sachverstand vor der Entwicklung der nächsten Reformstufe im Herbst einzuholen, damit sich Rechtstheorie und Berufspraxis rechtzeitig treffen können. Die Reform des Landespersonalvertretungsgesetzes mit seinen dialogischen Elementen sei dafür ein gutes Vorbild.

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