10.08.2011

komba gewerkschaft nrw fordert: Mit gezielten Präventionsmaßnahmen zu mehr Sicherheit in den Jobcentern

Die Gewalttaten in Deutschlands Jobcentern nehmen immer mehr zu. Neben den ohnehin schlechten Arbeitsbedingungen auf den Ämtern, müssen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich vor Handgreiflichkeiten und Beschimpfungen schützen. Die komba gewerkschaft nrw appelliert an die öffentlichen Arbeitgeber, Verbesserungen zügig und nachhaltig umzusetzen. Dabei zeigt das im Juni 2011 veröffentliche „abba“-Projekt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) mögliche Wege aus der Krise.

Die Situation der Beschäftigten in den Jobcentern muss grundlegend verbessert werden, fordert die komba gewerkschaft nrw und verweist dabei auf die Verantwortung der öffentlichen Arbeitgeber gegenüber ihren Angestellten.
Nach Berichten zahlreicher Personalräte nehmen die Konflikte in den Jobcentern zwischen Beschäftigten und Kunden immer mehr zu. Die Auseinandersetzungen sind in den letzten Jahren deutlich aggressiver und gewaltsamer geworden, dem zu Folge Hausverbote und Strafanzeigen an der Tagesordnung sind, um sich vor Handgreiflichkeiten seitens der Kunden zu schützen. 70 Prozent der Beschäftigten fühlen sich massiv bedroht und jeder Vierte, so Untersuchungen, wurde bereits Opfer von Aggressionen.

Hohe Arbeitsbelastung birgt zusätzliches Konfliktpotential

Einen Weg aus der Krise sieht die komba gewerkschaft nrw im Projekt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV): Das Projekt "abba – Arbeitsbelastungen und Bedrohungen in Arbeitsgemeinschaften nach Hartz IV".

Christoph Busch (Bonn), stellvertretender Landesvorsitzender der komba gewerkschaft nrw und unter anderem zuständig für die Personalräte in der Gewerkschaft, appelliert an die öffentlichen Arbeitgeber, sich zunehmend um die physische und psychische Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern – und dies entschieden und mit nachhaltiger Wirkung. „Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sind derzeit enorm schwierig. Dabei bilden beispielsweise die Sorgen der Kunden, das hohe Fallaufkommen, die komplizierte Rechtslage, die neuen Organisationsstrukturen neben den vielen Überstunden und dem fehlenden Personal eine unheilvolle Mischung und bergen in sich das hohe Konfliktpotential, mit denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich zu kämpfen haben“, so Busch. Der stellvertretende Landesvorsitzende verweist auf das Projekt der DGUV. 2008 hat die Unfallversicherung anhand einer Befragung von 2200 Beschäftigten aus zwölf Jobcentern in Deutschland Präventionsmaßnahmen entwickelt, um für die Beschäftigten der Ämter gesündere Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheiten zu schaffen. 2010 wurde die Wirksamkeit der Maßnahmen vor Ort geprüft und daraus einige positive Erkenntnisse gewonnen.

 

Gezielte Präventionsmaßnahmen für nachhaltige Verbesserungen
„Mit gezielter Prävention und durchgreifenden Strategien kann die Situation der Beschäftigten entschieden und nachhaltig verbessert werden. Das Projekt der DGUV zeigt hier Wege auf, die tatsächlich auch begehbar sind, wie Optimierung der Teamarbeit, Seminare zum Streßabbau, bauliche Veränderungen im Warte- wie Beratungsbereich bis hin zu Kommunikations- und Verhaltenstraining für den Fall der Eskalation“, so Busch. Aber auch dort, wo sich die Lage in den Jobcentern bereits verändert hat, diagnostiziert die DGUV eine geringe Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Arbeit. Der stellvertretende Landesvorsitzende dazu: „Die Beschäftigten sind im Zuge der Hartz-IV-Reform häufig zu kurz gekommen. Ihre dauerhafte und wirksame Entlastung ist hier unverzichtbar, um die Arbeitsfreude wieder zu gewinnen und auch damit gesundheitliche Risiken zu mindern – nicht zuletzt, um auch Konflikte in den Jobcentern konstruktiv entgegen zu wirken.“

 

Pressemeldung sowie Abschlussbericht der DGUV zum "abba"-Projekt als pdf-Dokument zum Download:

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