03.04.2018 / komba gewerkschaft nrw

komba reportage: Schwerbehindertenvertretung - als Vertrauensperson in der Kommune

Für Gisela Kuhlen ist es normal, verschieden zu sein. Deshalb setzt sie sich als freigestellte Vertrauensperson bei der Stadt Mönchengladbach für ihre schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellte Kolleginnen und Kollegen ein. Eine Aufgabe, der sie sich seit 1998 mit großem Engagement widmet.

Vertrauensperson Gisela Kuhlen (Foto: © Schwerbehindertenvertretung Stadt Mönchengladbach)
Vertrauensperson Gisela Kuhlen (Foto: © Schwerbehindertenvertretung Stadt Mönchengladbach)

Zuhören, vermitteln, erklären, beraten, begleiten, Lösungen erarbeiten, kurz: sich einsetzen – so ließe sich der Berufsalltag von Gisela Kuhlen zusammenfassen. Dass hinter diesen Verben vielfältige Aufgaben stecken, wird deutlich, wenn sie von ihrer Arbeit berichtet. 

„Mein Alltag wird zum einen durch feste Termine wie der Teilnahme an Personalratssitzungen oder Gesprächen zur Wiedereingliederung und zum anderen durch Kolleginnen und Kollegen bestimmt, die spontan Hilfe suchen“, erzählt Gisela Kuhlen. Ob es der seit längerer Zeit erkrankte Kollege ist, der vor einer Wiedereingliederung steht, die Mitarbeiterin, die aufgrund ihrer Schwerhörigkeit nun einen anderen Bedarf an Arbeitsplatzausstattung hat oder der Abteilungsleiter, der um die Organisation eines Gebärdendolmetschers für die gehörlose Mitarbeiterin bei der anstehenden Dienstbesprechung bittet. 

Sie alle kommen zu Gisela Kuhlen und ihrem Team. Dort finden sie vertrauliche und kompetente Ansprechpersonen. Darüber hinaus berät die Vertrauensperson bei Anträgen zum Schwerbehindertenausweis oder Hilfsmitteln, unterstützt bei der behindertengerechten Ausstattung des Arbeitsplatzes, begleitet Bewerbungsverfahren, vermittelt in Gesprächen mit Arbeitgebern, Integrationsfachdienst, Betriebsarzt, Krankenkassen sowie Rentenversicherungsträgern oder bietet Unterstützung bei der Suche nach externer Hilfe. Kein Tag ist wie der andere. 

Schwerbehindertenvertretung im Team (v.l.n.r.): Norbert Hansen, Birgit Grube, Gisela Kuhlen und Axel Küppers (Foto: © Schwerbehindertenvertretung Stadt Mönchengladbach)
Schwerbehindertenvertretung im Team (v.l.n.r.): Norbert Hansen, Birgit Grube, Gisela Kuhlen und Axel Küppers (Foto: © Schwerbehindertenvertretung Stadt Mönchengladbach)

Von H wie Herausforderung bis Z wie Zusammenarbeit 
„Eine wichtige Grundvoraussetzung für unsere Arbeit ist die gute Zusammenarbeit mit dem Personalrat, der Gleichstellungsbeauftragten und der Verwaltung. Das klappt bei uns in Mönchengladbach schon gut und wird immer selbstverständlicher, aber auch hier ist es erforderlich, darauf zu achten, frühzeitig eingebunden zu werden und dies einzufordern“, beschreibt Gisela Kuhlen. In ihrer Zeit als Vertrauensperson kann sie bereits positive Veränderungen wahrnehmen: „Die Schwerbehindertenvertretung wird nicht als lästiges Übel empfunden, sondern als kompetenter und zuverlässiger Partner – und das sowohl von Arbeitgeber- als auch von Beschäftigtenseite.“

Mittlerweile hat der Gesetzgeber die Stellung der Schwerbehindertenvertretung deutlicher erkannt und nachgebessert: Der Freistellungsanspruch wurde von 200 auf 100 schwerbehinderte und gleichgestellte Beschäftigte gesenkt, die Heranziehung der Stellvertretenden ist genauso verbessert worden wie die Unterstützungsmöglichkeit durch eine Bürokraft, um die gestiegenen Anforderungen zu bewältigen. Luft nach oben sieht Gisela Kuhlen dennoch und wirbt weiter für gegenseitiges Verständnis und Wertschätzung. 

Schwerbehindertenvertretung: Ein besonderes Engagement! 

Alle vier Jahre wird die Vertrauensperson von den schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Beschäftigten gewählt. 2018 ist es wieder soweit. 1998 kandidierte Gisela Kuhlen erstmalig, 2018 jetzt zum sechsten Mal. Noch immer ist sie mit viel Herzblut und Gestaltungswillen dabei, engagiert sich zudem in der Kommission Schwerbehindertenrecht der komba nrw und will sich gemeinsam mit ihrem Team auch nach der nächsten Wahl für die Beschäftigten stark machen. „Wir bilden einen Querschnitt der Verwaltung. Meine Kollegin, die beiden Kollegen und ich können uns aufgrund unserer vielfältigen fachlichen Erfahrungen wunderbar in unseren Kompetenzen ergänzen und das vorhandene Wissen so bestmöglich für unsere Kolleginnen und Kollegen einsetzen“, sagt sie. 

Zum Abschied zitiert Gisela Kuhlen noch den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann.“ Treffender ließe es sich nicht formulieren.