28.02.2019 / komba gewerkschaft nrw

komba Reportage: Schnittstelle Offener Ganztag

© Mechthild Riedler
© Mechthild Riedler

Sie tragen Verantwortung für die Entwicklung der Kinder, ermöglichen als Bildungseinrichtung Chancengleichheit und sind Partner für Familie und Schule. Ein breites Aufgabenspektrum wartet auf die Beschäftigten der Offenen Ganztagsschulen (OGS). Eine von ihnen ist Melanie Bastians, Leiterin einer OGS in Willich.

11 Uhr, der Personalraum der OGS füllt sich langsam. Um 11.15 Uhr nehmen die Teilzeitkolleginnen ihren Dienst auf. Melanie Bastians wartet darauf, dass sie mit dem sogenannten „Blitzlicht“ beginnen kann. „In dieser Zeit, wenn wir alle zusammenkommen, muss der strukturierte und bis dahin geplante Tagesablauf an die tatsächliche Situation angepasst werden. Wie bei einen Kaleidoskop ändert sich der Einsatzplan für alle Kolleginnen und Kollegen bei der kleinsten Abweichung“, sagt sie. Durch Ausfälle im OGS- oder Lehrerkollegium, kurzfristige Absagen von Drittanbietern oder Änderungen bei der Abholung der Kinder ist ein Tag häufig schlecht vorauszusehen. Genau auf diese Veränderungen muss sie täglich reagieren. Von mittags an bis 17 Uhr herrscht Hochbetrieb im Offenen Ganztag. „In der Kernzeit geht es Schlag auf Schlag und alles muss wie ein Uhrwerk funktionieren“, berichtet Melanie Bastians aus ihrer langjährigen Erfahrung.

Leitungsfunktionen – vom außerunterrichtlichen Angebot bis zur pädagogischen Arbeit
Ihre Arbeit ist abwechslungsreich. Bürotätigkeiten, darunter Personalangelegenheiten und allgemeine Verwaltungsaufgaben, wechseln sich mit pädagogischen Arbeiten in der Gruppe und der Zusammenarbeit mit Schulleitung, Kollegium und Eltern ab. Darüber hinaus hält sie intensiven Kontakt zu Beratungsstellen oder Kooperationspartnern. Doch noch nicht genug. Hinzu kommen Netzwerkarbeit und die Unterstützung der Familien in ihren oftmals komplexen Lebenssituationen. Auch an der Weiterentwicklung eines Konzeptes zur OGS sowie an Integration und Umsetzung in das Schulprogramm ist Melanie Bastians aktiv beteiligt. Zudem nimmt sie übergreifende Tätigkeiten bei der Stadt Willich wahr. Dazu gehört ihre Arbeit als InsoFa, einer Fachkraft für Kinderschutz. „Insgesamt erfordert der Beruf, dass ich eine große Palette an Wissen vorhalte und die OGS als Ganzes optimieren und voranbringen möchte“, erzählt die Leiterin.

Zusammenarbeit mit der Schule
Was in einigen anderen Kommunen nicht so erfolgreich läuft, ist die Verzahnung zwischen Offenem Ganztag und Schule. In Willich sieht Melanie Bastians, was das betrifft, bereits große Fortschritte. „Die beiden Systeme Schule und Jugendhilfe leben in einer langen Tradition der kooperativen Co-Existenz“, weiß sie zu erzählen. Es gibt gemeinsam organisierte Fortbildungstage, um miteinander Konzepte voranzubringen. Zusammen werden Elterngespräche geführt, und ein vor einigen Jahren eingerichteter gemeinsamer Personalraum weist auch räumlich auf die selbstverständliche Zusammenarbeit zwischen beiden Professionen hin. Entwicklungen, die auch in anderen Kommunen wünschenswert sind.

Verbesserte Arbeits- und Rahmenbedingungen erforderlich

Trotz das Willich auf einem guten Weg ist, sieht Melanie Bastians noch Verbesserungspotenzial. Als Leiterin ist sie nicht freigestellt, aber aufgrund der Fülle an Aufgaben häufig außerhalb ihrer Gruppe beschäftigt. Im Umkehrschluss heißt das: Währenddessen kompensieren ihre Kolleginnen und Kollegen ihr Fehlen. „Ich befürworte eine teilweise Freistellung der Leiterinnen und Leiter, nicht nur weil ich meine Arbeit kontinuierlich gut umsetzen möchte, sondern auch um meinen Kolleginnen in der Gruppe gerecht zu werden“, erklärt die OGS-Leiterin.

Für ihre Kolleginnen und Kollegen wünscht sie sich mehr Optionen auf Vollzeit. Denn mit einer Teilzeitstelle lässt sich der Lebensunterhalt oftmals nicht bestreiten, sodass viele von der Berufswahl Offener Ganztag schnell Abstand nehmen müssen.

An die Politik appelliert Melanie Bastians, endlich, und zwar in Kooperation mit Fachleuten der OGS, einen Gesetzesentwurf zu etablieren. Ganz wichtig ist ihr in dem Zusammenhang der Erhalt des erweiterten Fachkräfteangebotes. Zudem wünscht sie sich eine größere Wertschätzung für die pädagogische Arbeit von der Kita bis zum Übergang in die weiterführende Schule.

Die stetig steigenden Anmeldezahlen und der Anspruch auf Ganztagsbetreuung erfordern ein beherztes Handeln, ist sich Melanie Bastians sicher und widmet sich erneut voller Engagement ihren Aufgaben als OGS-Leiterin.