Millionen Menschen in Deutschland haben den Jahreswechsel 2025/26 weitgehend friedlich gefeiert – auch viele Medien ziehen eine überwiegend ruhige Bilanz der Silvesternacht. Gleichzeitig kam es jedoch erneut zu zahlreichen Zwischenfällen mit Pyrotechnik: Böllerwürfe, Raketenbeschuss und daraus resultierende Brände forderten Feuerwehr und Rettungsdienst in besonderem Maße.
Insbesondere im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen kam es an mehreren Orten zu gezielten Angriffen auf Einsatzkräfte. Die Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen vor Ort zeichnen dabei ein deutlich anderes Bild als die oft verkürzte öffentliche Wahrnehmung.
Beispiele aus NRW: Duisburg, Mönchengladbach, Bonn, Köln und Essen
Besonders hässlich verlief die Nacht in Duisburg. Nach Angaben der Polizei wurden Einsatzkräfte mehrfach mit Böllern und Raketen attackiert. Im Stadtteil Hamborn wurde gegen 0.20 Uhr ein Feuerwehrmann „durch einen gezielten Böllerwurf verletzt“, als ein Feuerwerkskörper auf Kopfhöhe am Ohr explodierte. Er erlitt ein Knalltrauma und musste stationär behandelt werden. Ebenfalls in Hamborn sowie im Stadtteil Meiderich wurden Feuerwehrfahrzeuge gezielt mit Raketen beschossen.
In allen Fällen ermitteln die Behörden wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung.
Auch in Mönchengladbach kam es zu massiven Behinderungen von Einsatzkräften. Beim Löschen eines Kleinbrandes wurde die Besatzung eines Löschfahrzeugs „durch den Bewurf mit Feuerwerkskörpern sowie durch Beschuss mit Raketen“ angegangen. Die Brandbekämpfung war erst nach polizeilicher Absicherung möglich.
Ähnliches berichtete die Bonner Feuerwehr: In den Stadtteilen Tannenbusch und Dransdorf behinderten Personengruppen die Lösch- und Rettungseinsätze erheblich. Fahrzeuge sowie Feuerwehrleute wurden „gezielt mit Feuerwerkskörpern beschossen und mit Böllern beworfen“, heißt es in der Einsatzbilanz. Erst im Verbund mit zahlreichen Polizeikräften konnten brennende Mülltonnen gelöscht werden.
Auch aus Köln wurde der komba gewerkschaft ein Vorfall gemeldet. Nach Rücksprache mit dem dortigen Lagedienst kam es bei einem Feuerwehreinsatz ebenfalls zu einem Angriff mit Pyrotechnik. Einsatzkräfte wurden mit Böllern beworfen, die Polizei war schnell vor Ort und sicherte die Einsatzstelle. Verletzt wurde bei diesem Vorfall niemand.
Darüber hinaus kam es auch in Essen zu gezielten Übergriffen auf Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst. Laut Einsatzbilanz wurden dort zwei separate Vorfälle registriert. Auf der Steeler Straße wurde ein Rettungswagen auf dem Weg zur Einsatzstelle mehrfach mit Feuerwerksraketen und Knallkörpern beworfen. In einem weiteren Einsatzbereich, im Stadtteil Hörsterfeld, wurden mehrere Mülltonnen in Brand gesetzt. Zusätzlich wurden Einsatzfahrzeuge gezielt mit Pyrotechnik beschossen. In beiden Fällen entstand Sachschaden an den Fahrzeugen, Personen wurden glücklicherweise nicht verletzt. Die Polizei übernahm jeweils die Lageklärung und stellte die Sicherheit der Einsatzstellen sicher.
Verletzungen blieben in mehreren Städten glücklicherweise aus – doch die Vorfälle lassen keinen Zweifel: Ohne starken Polizeischutz geraten Feuerwehr und Rettungsdienst selbst bei vermeintlichen Routineeinsätzen zunehmend in Gefahr. Die Beispiele zeigen deutlich, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handelt. Überall dort, wo viele Menschen dicht gedrängt feiern, sind Einsatzkräfte besonderen Risiken ausgesetzt.
Gewerkschaftliche Reaktionen und Forderungen
Die erneuten Angriffe auf Einsatzkräfte haben bei der komba gewerkschaft scharfe Kritik ausgelöst. Valentino Tagliafierro, Vorsitzender des Fachbereichs Feuerwehr und Rettungsdienst, erinnert daran, dass die Kolleginnen und Kollegen gerade am Jahreswechsel unter besonders anspruchsvollen Bedingungen arbeiten.
„Wenn meine Kameraden zum Einsatzort kommen, dann wollen sie helfen – nichts anderes“, so Tagliafierro. „Es ist mehr als demütigend, wenn sie dabei zur Zielscheibe von Angreifern werden. Dem stehen sie oftmals wehrlos gegenüber. Alles, was wir fordern, ist ein besserer Schutz und mehr Respekt gegenüber den Feuerwehrkräften.“
Auch Frank Meyers, Landesvorsitzender der komba gewerkschaft NRW, mahnt eindringlich, solche Vorfälle nicht hinzunehmen. Für ihn ist klar: Jeder Angriff auf Einsatzkräfte muss konsequent verfolgt werden.
„Wer unsere Einsatzkräfte angreift, muss festgesetzt werden und das Strafmaß umgehend zu spüren bekommen“, erklärt Meyers. Die komba fordert daher eine konsequente und zügige Strafverfolgung aller Täter sowie eine kritische Überprüfung der bestehenden Strafrahmen. Insbesondere die Mindeststrafen bei Gewalttaten gegen Einsatzkräfte müssen aus Sicht der Gewerkschaft überprüft und angehoben werden.
Zugleich verweist die komba auf die Bedeutung präventiver Maßnahmen. Einsatzkräfte müssen weiter und intensiver in Deeskalationstechniken geschult werden, um sich in gefährlichen Situationen besser schützen zu können. Dienstherren und Politik stehen in der Pflicht, jede Attacke auf Feuerwachen, Rettungswagen oder Einsatzstellen entschieden zu ahnden. Jeder Übergriff ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Angriff auf den Rechtsstaat und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Fazit und Ausblick: Mehr Schutz für Helfer
Auch wenn die öffentliche Silvester-Bilanz vielerorts als „friedlich“ bezeichnet wird, zeichnen die Erfahrungen der Einsatzkräfte in Nordrhein-Westfalen ein anderes Bild. Für Feuerwehr und Rettungsdienst war die Nacht erneut von gefährlichen Situationen geprägt.
Die komba gewerkschaft betont: Härtere Strafen allein reichen nicht aus. Langfristig braucht es wirksame Präventionsstrategien, bessere Schutzkonzepte und eine klare gesellschaftliche Haltung, die Gewalt gegen Helfer unmissverständlich verurteilt.
Für den kommenden Jahreswechsel 2026/27 bleibt die Forderung eindeutig: Einsatzkräfte dürfen kein Berufsrisiko sein. Wer Leben rettet, muss auf den Schutz und den Respekt der gesamten Gesellschaft zählen können.