24.06.2017 / komba gewerkschaft nrw

komba reportage - Ver- und Entsorger: Ein Beruf mit vielen Facetten

September 1984. Der 17-jährige Horst Zylus aus Weisweiler hat seinen ersten Ausbildungstag bei der Stadt Eschweiler. Ein wichtiger Lebensabschnitt beginnt.

Horst Zylus (© komba gewerkschaft nrw)
Horst Zylus (© komba gewerkschaft nrw)

Dieser Tag, der ohnehin mit Neugierde, Spannung und vielleicht ein wenig Nervosität verbunden ist, wird für den jungen Mann gleich noch aufregender. Denn seinen Ausbildungsbeginn verfolgt nicht nur sein Arbeitgeber, auch TV, Radio und Zeitungen berichten darüber. Denn Horst Zylus ist der erste Auszubildende als Ver- und Entsorger (heute: Fachkraft für Abwassertechnik oder für Kreislauf- und Abfallwirtschaft – je nach Fachrichtung). 

„Zu diesem Beruf bin ich mehr aus Zufall gekommen. Mein Onkel hat auf einer Kläranlage gearbeitet und mir von dem neuen Berufsbild erzählt. Ich hatte Interesse an Chemie, Biologie und Technik. Das hörte sich gut an, das wollte ich machen“, erzählt Zylus wie er eher zufällig den Beruf ergriff. Heute ist er aus diesem vielfältigen Bereich nicht mehr wegzudenken. 

Drei Jahre dauerte die Ausbildung. Anfänglich lief nicht alles im neuen Berufsbild rund. Drei verschiedene Berufsschulklassen besuchte der Azubi. Er paukte neben Chemie- und Biolaboranten und besuchte den Unterricht der Maschinenbauer in Stolberg. Bis sich eine Berufsschulklasse eigens für die angehenden Ver- und Entsorger bilden konnte und es eine Landesfachschule gab, ging noch etwas Zeit ins Land. 

Horst Zylus (© komba gewerkschaft nrw)
Horst Zylus (© komba gewerkschaft nrw)

33 Jahre später: Mehr Technik, strengere Auflagen, aber immer noch Spaß an der ArbeitMai 2017: Kläranlage Eschweiler an einem sonnigen Morgen. Horst Zylus steht in seiner blauen Arbeitskleidung im Labor und macht Tests. Nach seiner Ausbildung ist er von der Stadt zum Wasserverband Eifel-Rur (WVER) gewechselt und geblieben. Während er die Proben, die 24 Stunden automatisch aus der Kläranlage entnommen werden, mit moderner Technik im Labor analysiert, erinnert sich der lebenslustige Mann an den Wandel: „Angefangen haben wir in einer Miniaturausgabe eines Labors. Mit Blausäure und ph-Wert-Tests. Heute erstellen wir mit moderner Mess- und Verfahrenstechnik in einem eigenen Labor ein biologisches Bild der Kläranlage und mikroskopieren alles. Früher bestand die Kläranlage aus vier Vor- und vier Nachklärbecken. Dazwischen war nicht viel. Inzwischen ist das alles Hightech. In diesem Bereich haben wir uns von der Schubkarre zum Mercedes entwickelt.“ Die Testreihen wurden im Laufe der Jahre ausgeweitet, denn es gibt klare Vorgaben und Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. Auch die Gesetze haben sich in den letzten Jahren zum Wohle des Umweltschutzes verschärft. 

Das Ziel damals wie heute ist es, die Reinigungsleistung so hoch wie möglich zu halten, an 365 Tagen im Jahr – auch in Form von oftmals belastender Rufbereitschaft. Für die richtige Leistung der Kläranlage sorgt Horst Zylus gemeinsam mit seinen 11 Kollegen. „Hier arbeiten Ver- und Entsorger, Schlosser und Elektriker. Wir sind ein sehr gutes Team und unterstützen uns gegenseitig. In dem Beruf musst du vielfältig aufgestellt und flexibel sein. Monoton ist es hier nie“, beschreibt er. Der Ver- und Entsorger kontrolliert beispielsweise die Anlagen und Maschinen, überwacht die Reinigung des Abwassers in den einzelnen Reinigungsstufen, analysiert Abwasser- und Schlammproben, dokumentiert, wertet aus, inspiziert, reinigt und wartet Anlagenteile. Ein abwechslungsreicher Beruf. Dennoch ist die Zahl junger Bewerberinnen und Bewerber in den vergangenen Jahren zurückgegangen. „In der Branche ist definitiv Potenzial für Nachwuchs und noch lassen sich motivierte und gute Kräfte finden. Der demografische Wandel ist allerdings wie überall spürbar“, weiß Zylus. Eingebettet ist die Kläranlage Eschweiler im WVER. Der Verband betreibt insgesamt 44 Anlagen und etwa 800 Sonderbauwerke im Einzugsgebiet der Rur – von Heinsberg bis Hellenthal sowie von Aachen bis Düren. Damit die rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den stetigen (technischen) Weiterentwicklungen immer auf dem aktuellen Stand sind, bietet der Verband ihnen Schulungen. Horst Zylus nimmt diese regelmäßig wahr: „Durch Neuerungen und Änderungen in der Verfahrenstechnik ist es sehr wichtig, sich weiterzubilden. Das Thema Fortbildung wird hier zum Glück groß geschrieben.“