09.08.2018 / komba gewerkschaft nrw

komba Reportage: Unterwegs am Christopher Street Day (CSD) - CSD in drei Worten: Toleranz, Emotionen und Vielfalt

Der bunt geschmückte Wagen ist auf Kölns Straßen unterwegs. Judith Pickartz (auf dem Wagen, 1. Reihe, Mitte) hat gemeinsam mit vielen helfenden Händen ganze Arbeit geleistet. (Foto: © komba gewerkschaft nrw)
Der bunt geschmückte Wagen ist auf Kölns Straßen unterwegs. Judith Pickartz (auf dem Wagen, 1. Reihe, Mitte) hat gemeinsam mit vielen helfenden Händen ganze Arbeit geleistet. (Foto: © komba gewerkschaft nrw)

Seit Jahren ist Judith Pickartz, ehemalige stellvertretende Landesjugendleiterin und stellvertretende Vorsitzende des OV Duisburg, fester Bestandteil des komba Organisationsteams zum CSD. Wie die Planung abläuft und warum es ohne ein Miteinander nicht geht, zeigten die Tage rund um die Demo am 8. Juli.

Köln, 7. Juli, Stunden vor der großen CSD-Parade. Ein Parkplatz im Westen der Domstadt. Judith Pickartz hat sich gemeinsam mit weiteren Helferinnen und Helfern versammelt. Sie warten auf den Lkw, der sie am Demotag durch die Kölner Straßen rollt. Bis es so weit ist, gibt es allerdings noch viel zu tun.

Die richtige Planung und eine große Portion Kreativität

Als der Lkw auf den Parkplatz biegt, braucht es ein hohes Maß an Vorstellungsvermögen, wie aus diesem tonnenschweren Klotz ein prächtig bunter CSD-Wagen werden soll. Genau das ist es, was Judith Pickartz hat. Fantasie, Freude am Organisieren und ein Händchen für die richtige Deko. „Wenn ich mich kreativ austoben kann, bin ich voll in meinem Element“, berichtet sie mit einem Lächeln. Was mit einem fertig geschmückten Wagen voller Luftballons am Veranstaltungstag so schön und einfach aussieht, erfordert jedoch genaueste Planung. „Die Organisation ist immer wieder eine große Herausforderung, vor allem weil man für alle Eventualitäten gerüstet sein muss“, sagt die junge Frau aus dem Ortsverband Duisburg. Weit vor dem eigentlichen Veranstaltungstag müssen ein geeigneter Lkw inklusive Fahrer gefunden werden, Feuerlöscher bereitstehen, ein Dixi-WC für den Wagen organisiert, eine Sound- und Lichtanlage mit ausreichend Kapazitäten bereitgestellt sowie Wagenengel auserkoren werden, die für die Sicherheit während der Demo sorgen.

Bei heißen 30 Grad Celsius legt das Team los. „Geländer werden befestigt, damit während der Demo niemand über die Brüstung fällt, Sound- und Lichtanlage sowie das Dixi-WC müssen bewegungssicher auf der Ladefläche fixiert werden“, beschreibt Judith Pickartz die Vorgehensweise. Zum Schluss werden noch die Banner mit dem diesjährigen Motto „coming out in DEINEM style“ angebracht. Luftballons finden ihren Platz erst am eigentlichen Veranstaltungstag, wenn der Wagen mit der Startnummer 70 sich schon zwischen den in diesem Jahr mehr als 130 weiteren Wagen eingereiht hat.

Für Judith und die restlichen helfenden Hände wird es am Tag der Demo noch einmal spannend. Die Zugleitung nimmt den Wagen ab. „Jetzt wird kontrolliert, ob die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten wurden und alles gut befestigt ist“, erklärt Judith Pickartz während sie darauf wartet, dass die Wagenabnahme positiv verläuft. „Auch, wenn wir an alles gedacht haben, dieser Moment der finalen Abnahme ist aufregend“, sagt sie, nachdem die komba Gruppe grünes Licht für ihre Teilnahme bekommen hat.

Für Vielfalt einstehen

Als sich der Tross gegen Mittag in Bewegung setzt, erzählt Judith Pickartz, was für sie die Faszination CSD ausmacht: „Von der Demo gegen Diskriminierung und für Vielfalt geht eine ganz besondere Dynamik aus. Es ist unfassbar beeindruckend, wie viele Menschen gut gelaunt die Botschaften des CSD feiern. Es ist an diesem Tag ganz egal, wer du bist, welche Sprache du sprichst oder welche Kleidung du trägst. Was zählt ist, das du dabei bist und deine Stimme für ein buntes Miteinander erhebst.“

Bei manchen stieß die Teilnahme zu Beginn im Jahr 2014 auf Unverständnis. Für die engagierte Frau nicht nachvollziehbar: „Es geht vor allem darum zu zeigen, dass wir uns für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst gleichermaßen einsetzen. Es sollte doch selbstverständlich sein, sich gegen Diskriminierung starkzumachen und der CSD ist eine richtige Plattform. Hier werden Toleranz, Emotionen und Vielfalt gelebt.“

Der CSD ist ein Event, das ohne die Arbeit von Menschen wie Judith, der komba jugend nrw, der Kommission für Chancengleichheit und ohne die Unterstützung der Orts- und Kreisverbände so nicht möglich wäre. Auf die Frage, warum kombanerinnen und kombaner den Weg zum CSD finden sollten, sagt Judith Pickartz nach stundenlanger Fahrt durch die Straßen müde, aber glücklich: „Weil sie eine Veranstaltung erleben, die sie so noch nie erlebt haben. Eine Demo mit einer Botschaft, die weit über Köln hinaus Strahlkraft besitzt.“